Einseitige Nachrichten: Kommen Leitmedien ihrem Auftrag noch nach?

Im Studium der Medienwissenschaften lernt man, dass Medien Gatekeeper sind. Von mehreren hundert Meldungen am Tag wählen sie nur wenige aus. Dabei sind Politik-Nachrichten begehrter als Wirtschaftsnachrichten. Aussagen von Prominenten oder bekannten Gruppen werden eher ausgewählt als solche von unbekannten Leuten. Das würde die Relevanz für den Leser erhöhen. Sie betreiben zudem Agendasetting, legen also fest, worüber in der Öffentlichkeit gesprochen wird.

Aber kommen Leitmedien wie Spiegel, Stern, Welt, Focus, Zeit, FAZ und ARD/ZDF ihrem Auftrag nach, den Leser bzw. Zuschauer umfassend zu informieren? Daran kann man zweifeln.

Beispiel AfD

Es sei vorangestellt, dass der Autor die Partei kritisch betrachtet. Wenn die Medien ihrem Auftrag nachgekommen wären, warum wurde die Berichterstattung zur größten Oppositionspartei im Bundestag (AfD) während der letzten Legislaturperiode auf Skandale beschränkt? Warum wurden ihre Positionen, Anträge und Pressemitteilungen nicht in den Medien wiedergegeben? Warum wurde die Existenz der AfD oftmals verschwiegen, während die anderen vier Fraktionen und im Speziellen die Grünen unverhältnismäßig oft vorkamen? Kann man hier noch von umfassender Berichterstattung sprechen?

Beispiel Impfkritik

Es gibt hochangesehene Wissenschaftler, die sich aus guten Gründen gegen Corona-Impfungen ausgesprochen haben. Gefühlt kam kein einziger seriöser Kritiker in den Leitmedien zu Wort. Stattdessen wurde, wenn allgemeine Kritik besprochen wurde, diese direkt diskreditiert, in die Ecke von Verschwörungstheorien oder Corona-Leugnern gerückt. Fast wöchentlich wurde die Impf-Propaganda von Karl Lauterbach und Konsorten unkritisch in den Medien wiedergegeben. Kann man hier etwa von umfassender Berichterstattung sprechen?

Beispiel Völkerwanderung 2015/2016

Die Otto-Brenner-Stiftung untersuchte in einer Studie, wie ausgewogen die Berichterstattung ausgewählter Leitmedien (FAZ, Süddeutsche, Welt) über die Völkerwanderung in den Jahren 2015/16 war. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Am häufigsten kamen Politiker (insbesondere die Regierungskoalitionen) zu Wort, während etwa die AfD mit ihren kontroversen Positionen nur in 0,1 Prozent aller Berichte vorkam. Standpunkte anderer Organe wie Polizei und Gerichte wurden nur in jedem zehnten Bericht erwähnt. Asylbewerber und Migranten kamen in 4 Prozent der Fälle zu Wort.

Die Sorgen, Ängste und Widerstände der normalen Bürger wurden bis zum Spätherbst 2015 gar nicht thematisiert: „Wenn doch, dann in belehrendem oder (gegenüber ostdeutschen Regionen) auch verächtlichem Ton. Kaum ein Kommentar während der sogenannten Hochphase (August und September) versuchte eine Differenzierung zwischen Rechtsradikalen, politisch Verunsicherten und besorgten, sich ausgegrenzt fühlenden Bürgern.“ (S. 135) Zuwanderung und das Schlagwort „Willkommenskultur“ wurden gezielt positiv besetzt. Die Regionalpresse griff die Probleme und Konflikte unter normalen Bürgern gar nicht auf. Abweichende Meinungen wurden in den Medien nicht mehr gehört, so das Fazit der Autoren.

Die Leitmedien haben versagt.

Bei einseitigen Informationen kann man von Propaganda sprechen. Die angeführten Beispiele belegen, dass die Leitmedien es nicht einmal versuchen, den Leser umfassend und halbwegs neutral zu informieren. Stattdessen verfolgen Verlagsleiter und Chefredakteure ihre eigene Agenda. Es wird aktiv ein normativer Ansatz verfolgt, um die Leser in ihrem Sinne zu beeinflussen und erziehen. Es soll z.B. ein Konsens vermittelt werden, wonach die AfD eine unwählbare, inkompetente Partei und jede Impfkritik absurd wäre. Angesichts der massiv gesunkenen Auflagen in den letzten Jahren und der zunehmenden Kritik an den öffentlich-rechtlichen Medien sollten Presse und Rundfunkanstalten sich überlegen, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist.

Neue Medien braucht das Land.

Die Bürger sollten sich emanzipieren und ergänzend andere Medien nutzen, um umfassende Informationen zu erhalten. Empfehlenswert ist z.B. die Achse des Guten (www.achgut.com). Es wäre wünschenswert, wenn die unabhängige Plattform sich zu einem neuen Leitmedium entwickeln würde. Dazu braucht es kritische Leser, die nicht jedes Wort in den „Qualitätsmedien“ für bare Münze nehmen und sich von Zeit zu Zeit die Frage stellen: Kamen bei diesem Thema Befürworter wie Kritiker gleichermaßen zu Wort?

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