Soziale Ungleichheit: Warum wir selbst entscheiden, wer Arm oder Reich wird.

Soziale Ungleichheit meint die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt 82 Prozent des weltweiten Vermögens. In Deutschland besitzt das reichste Prozent der Bevölkerung hingegen 35 Prozent des deutschlandweiten Vermögens. Diese Zahlen stimmen nachdenklich, denn eine wachsende soziale Ungleichheit hat laut Glücksforschern negative Effekte auf die Lebenszufriedenheit der Menschen. Warum das so ist und wieso wir selbst entscheiden, wer Arm und wer Reich wird, erkläre ich im Folgenden.

Viele meinen, dass Glück darüber entscheidet, wer Arm und wer Reich ist. Aber diese Erklärung ist falsch. Wenn man sich die weltweiten Erhebungen ansieht, dann stellt man fest, dass ca. 70 Prozent der Millionäre Unternehmer und etwa 30 Prozent Erben sind. Häufig investieren Reiche in Immobilien und Firmenanteile. Das unterscheidet sie vom Kleinen Mann.

Wie kommt Reichtum zustande?

In einigen Ländern sind Korruption, Steuerhinterziehung oder kriminelle Geschäfte der Grund. Häufig ist es eine besondere Geschäftsidee, die auf einen Bedarf trifft. Manchmal ist es ein besonderes Talent als Musiker und Schauspieler. Doch ist es wirklich so einfach? Wenn es so wäre, würde es nicht wesentlich mehr Millionäre geben? Fakt ist, dass wir Konsumenten und Aktionäre entscheiden, wer reich wird.

Ein Beispiel: Jeff Bezos ist nur deshalb hundertfacher Dollar-Milliardär, weil die Käufer lieber eine einzige Plattform beim Online-Shopping nutzen als eine Vielzahl verschiedener Webshops. Ihre Bequemlichkeit sorgt für geringere Margen bei den Unternehmen, denn sie zahlen Provisionen an Amazon, die als Umsatz und Gewinn bei Jeff Bezos landen. Gleichzeitig kaufen viele Anleger gezielt Amazon-Aktien und steigern damit den Wert der Unternehmensanteile von Jeff Bezos exorbitant, was ihn zum Milliardär gemacht hat.

Man kann nicht einerseits extremen Reichtum kritisieren und anderseits Bestellungen über Amazon aufgeben oder Amazon-Aktien besitzen. Wir Konsumenten und Anleger entscheiden folglich, wer Reich wird und wer nicht. Dasselbe gilt für Musiker wie Ed Sheeran, der ein geschätztes Vermögen von über 200 Millionen Dollar angesammelt hat oder eine Autorin wie J.K. Rowling, die mittlerweile Dollar-Milliardärin sein soll. Indem wir Konsumenten gezielt deren Songs kaufen, deren Konzerte besuchen oder die Harry Potter-Bücher lesen, werden diese Künstler reicher und reicher.

Wen dieser extreme Reichtum stört, der sollte Songs, Filme oder Bücher dieser extrem erfolgreichen Künstler nicht konsumieren. Er sollte anderen, noch unbekannten Künstlern eine Chance geben, sich zu beweisen. Er sollte nicht Produkte bei Amazon bestellen, weil es so schön bequem ist, sondern stets über die Onlineshops der jeweiligen Anbieter. Er sollte gezielt ein Bewusstsein bei seinen Mitmenschen für diesen Umstand wecken. Er sollte den jeweiligen Abgeordneten seines Wahlkreises besuchen und ihn auffordern, Superreiche stärker zu besteuern und z.B. einen Großteil ihres Vermögens umgehend zu enteignen.

Reichtum für Alle?

Wer hingegen selbst nach Reichtum strebt, muss seinen eigenen Weg finden. Manche Leute werden Unternehmer, andere versuchen es als Künstler und wiederum andere setzen bei der Vermögensbildung auf Mieteinnahmen aus Immobilien oder Aktien. Ich persönlich setze auf Aktien im Small Cap-Bereich, da sie ein sehr starkes Wachstumspotenzial bieten. Doch die ungewöhnlich hohen Rendite gehen einher mit einem höheren Verlust-Risiko. Ähnliches gilt für das Spiel mit Krypto-Währungen, obwohl hier kein realer Gegenwert hinter der Währung steht, sondern lediglich das Vertrauen der Menschen.

Doch ist es möglich, dass alle Menschen reich werden? Die Frage beinhaltet einen Widerspruch, denn wenn alle Leute ein gleich hohes Vermögen besitzen, ist niemand reich. Wenn hingegen einige Menschen wesentlich mehr besitzen als die große Mehrheit der Bevölkerung, dann kann man von Reichtum sprechen.

Mittlerweile leben laut einer Studie 2,1 Mio. Dollar-Millionäre in Deutschland. Das sind nicht wenige und doch nur ein kleiner Teil angesichts der 80 Millionen großen Bevölkerung. Wer nach Reichtum strebt, erkennt damit soziale Ungleichheit an und lässt bewusst die Schere zwischen Armen und Reichen größer werden.

In einer entwickelten Demokratie hat zwar theoretisch jeder die Möglichkeit reich zu werden. In der Realität bleibt es jedoch denjenigen überlassen, die entweder ein besonderes Talent wie Musiker und Schauspieler besitzen oder die als Unternehmer mit einer innovativen Idee und großem Kapital eine herausragende Marktstellung erreichen und ihre Gewinne für sich vereinnahmen statt bessere Löhne und Gehälter an Mitarbeiter zu zahlen. Auf der anderen Seite kann nahezu jeder mit Ehrgeiz, Wissen, Ausdauer und Selbstdisziplin lernen, wie man mit Aktien die erste Million verdienen kann.

Stellt sich nur noch die Frage, was man sinnvollerweise mit den Millionen anfangen will. Manchmal ist Weniger Mehr.

Weiterführende Literatur

  • „Ungleichheit – Was wir dagegen tun können“ von Anthony Atkinson
  • „Land des Geldes“ (im Englischen „Moneyland“) von Oliver Bullough
  • „Denke Nach Und Werde Reich“ von Napoleon Hill
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